Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung

Shownotes

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland selbstverständlich. Oder etwa doch nicht für alle? Mit ihrem Angebot Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung sorgen die Malteser in Frankfurt am Main seit 20 Jahren für medizinische Versorgung von Menschen ohne Versicherungsschutz.

Wer in die Sprechstunde kommt und warum eine Krankenversicherung nicht für alle selbstverständlich ist, darüber sprechen Frau Dr. Gabriele Becker-Hassemer und Projektleiterin Barbara von Brühl. Gemeinsam mit Moderator Peter C. Klein blicken die Gästinnen zudem darauf, was zum Jubiläum geplant ist.

Mehr Informationen und Kontakt gibt es unter: https://malteser.link/t8bk

Transkript anzeigen

00:00:10: Willkommen zu MalteseHS der Talk, dem Podcast der Malteser der Region Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

00:00:17: Ich bin Peter C. Klein und ich freue mich tierisch dass du heute wieder dabei bist.

00:00:21: wir haben noch so einiges vor mit euch.

00:00:23: in diesem Jahr haben ja so bisschen Frühjahrsputz hier betrieben und ihr könnt euch jetzt auf tolle neue folgen und auch neue Formate freuen!

00:00:32: Und worum geht es heute?

00:00:33: Ein ganz besonderes Angebot, der Maltese in Frankfurt das feiert.

00:00:36: In diesem Jahr Jubiläum – zwanzig Jahre Maltesermedizin für Menschen ohne Krankenversicherung!

00:00:44: Dr.

00:00:44: Mede Gabriele Becker-Hasema ist Fachärztin für innere Medizin und gemeinsam mit Projektleiterin Barbara von Brühl heute meine beiden Gästinnen.

00:00:54: Herzlich willkommen man sie beide!

00:00:59: Ja, danke dass ich zu Besuch sein darf auch hier wieder mal in Frankfurt.

00:01:03: Und Frau Becker-Hasemeich wird bei Ihnen mal anfangen.

00:01:08: wie sind Sie ganz persönlich zu dem Thema gekommen?

00:01:11: Also zu Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung?

00:01:14: und gab es da einen Moment der sie ganz besonders berührt hat oder vielleicht wachgerüttelt hat das sie an das Thema herangekommen sind?

00:01:23: Ja, während meiner Niederlassung in Frankfurt als hausärztliche Internistin hatte ich immer wieder Patienten die auch keine Krankenversicherung hatten oder in prekären Verhältnissen gelebt haben und das hat mich irgendwie schon immer umgetrieben so dieses Thema.

00:01:41: Denn wenn sich in Rente ging habe ich erstmal Auslandseinsätze mit den German Doctors gemacht also auch sehr arme Verhältnisse erlebt aber eben auch gesehen, dass es die hier bei uns auch gibt.

00:01:55: Und dann bin ich über das Deutsche Ärzteplatt zu diesem Artikel zehn Jahre MMM gestoßen und da wurde die Mannschaft vorgestellt um die Arbeit und dann dachte ich ja ... Das wäre was, was ich zwischendurch

00:02:11: machen könnte!

00:02:13: Damit die Zeit nicht irgendwie so dahin plätschert?

00:02:17: Ich habe verstanden Sie sind nach dem Ruhestand quasi eingestiegen.

00:02:21: Ja, ich meine gut so eine Praxis ist eine Wahnsinnsarbeit.

00:02:27: Und Frau von Brühl?

00:02:28: Ich würde einmal zu Ihnen rüber switchen wenn Sie irgendjemandem am Küchentisch erzählen müssten was machen sie denn hier eigentlich in diesem Projekt?

00:02:38: und wir haben es gerade schon gehört also die Malteser sind ganz stark in Abkürzungen finden.

00:02:44: das heißt wir sind bei MMM-Maltesermedizin für Menschen ohne Krankenversicherung.

00:02:49: aber nochmal zurück zum Küchendisch Wenn da jemand sitzt, den kennen sie schon ewig.

00:02:53: Der weiß aber gar nicht was Sie hier machen.

00:02:55: Was würden Sie erklären?

00:02:56: Wie würden Sie es erklären?

00:02:59: Ja ich werde erst mal sagen das ist ein Projekt welches ähnlich aussieht im Praktischen wie eine Allgemeinpraxis und allerdings ohne eben dass man vorher sich anmelden kann oder also...

00:03:17: Registrieren.

00:03:17: Ja, Registrien oder Termine machen kann sondern alle jeder kommt der kommt und jeder nacheinander.

00:03:24: nehmen wir auch diese Patienten dann dran ja und dann helfen wir denen so gut wie es geht und haben auch die Möglichkeit manche dann auch zu Fachärzten zu überweisen sofern wir mit unseren Diagnosen am Ende sind.

00:03:42: aber unsere Wirklich sehr erfahrenen Ärzte, die wir in unserem Team

00:03:48: haben.

00:03:49: Die haben sehr viel Erfahrung über lange Zeit und beherrschen das wirklich sehr gut ohne viele Hilfsmittel weil wir nicht viele Hilfsmittel zur Verfügung in unseren Räumen haben.

00:04:00: Und machen das wirklich gut und stellen einfach sehr gute und schnell unsere Erfahren die Diagnosen, die es bedarf.

00:04:10: Das heißt, ich kann es mir so vorstellen.

00:04:11: Es sind Räumlichkeiten die wirklich wie eine Praxis sind oder ist das vielleicht sogar eine ehemalige Praxis?

00:04:17: Nein, es sind zwei Sprechzimmer, die wir bei dem Medizentrum vom Markus Krankenhaus im fünften Stock zur Verfügung haben und zwar immer Montags nachmittags und dann haben wir einen Schrank in dem wir auch alles wieder zurückräumen müssen und diese zwei Sprechtzimmer haben wir dort netterweise wirklich umsonst zur Verfügung gestellt bekommen und eben für diese Stunden Nachmittags, Montags an denen wir dort vor Ort sind.

00:04:45: Und so dorthin kommen eben auch unsere Patienten.

00:04:49: Und vielleicht haben jetzt die Patienten schon ein, zwei Mal gehört?

00:04:52: Vielleicht können Sie da noch kurz darauf eingehen.

00:04:54: welche Menschen kommen denn zu euch?

00:04:56: also sind es Typische Lebenslagen, wo man sagen kann okay das begegnet uns immer wieder.

00:05:03: also keine Ahnung EU-Bürger selbstständige Studierende Schwangere.

00:05:09: Wer kommt?

00:05:10: Ja alle die sie gerade schon genannt haben und darüber hinaus wirklich alle Nationen der Welt sozusagen.

00:05:17: und wir haben eben Menschen die eben nicht versichert sind aber legal hier leben und dann haben wir auch unser Großteil ist eigentlich die Menschen, die eben nicht versichert sind und illegal hier leben.

00:05:31: Also ein Großteil zum Beispiel sind Philippinen und da haben wir schon Langzeitpatienten, die wir schon wirklich seit fünfzehn Jahren kennen das diese kommen immer wieder.

00:05:42: und ja und diese Menschen werden halt auch immer älter und somit werden auch die Krankheiten halt auch mehr beziehungsweise die Alterserkrankung nehmen dadurch auch zu, aber ansonsten sind es viele junge Menschen mit ganz verschiedenen Erkrankungen.

00:06:01: Also wie gesagt in einer Allgemeinpraxis.

00:06:05: Und wenn Sie jetzt gerade so beschreiben mit den fünfzehn Jahren finde ich das ja ein sehr großes Vertrauensverhältnis und großer Vertrauungsbeweis.

00:06:16: Ich könnte jetzt auch da das Bild aufmachen zu sagen, okay also wenn irgendwann eine gewisse Behörde weiß.

00:06:21: Da findet immer zu einer gewissen Uhrzeit was statt weil sie es vielleicht auch weitergeben dann wäre ja dieses Verhältnis zerstört.

00:06:29: Also das heißt dass ist ja etwas Ja, ich will nicht sagen mit das höchste Gut ist aber wahrscheinlich schon oder?

00:06:36: Das ist völlig richtig und da gab es auch ganz am Anfang als MMM gegründet worden.

00:06:42: Hier gab es eigentlich eine interne Verabredung diesbezüglich eben uns da freie Hand lassen und nicht vor der Tür stehen.

00:06:54: Dazu kommt auch, dass wir deswegen auch ein Krankenhaus oder die Nähe eines Krankenhauses gewählt haben wo unsere Sprechstunde stattfindet weil eben die Menschen dann auch das Gefühl haben sie können da frei hereingehen ohne dass Sie auffallen und das war uns eben auch so wichtig und deswegen war es auch damals toll Markus Krankenhaus wechseln konnten.

00:07:21: Dann würde ich einmal wieder zurück schwenken zu Frau Becker Hasemeyer.

00:07:25: und weil Sie ja konkret an den Patienten auch arbeiten, können sie mal schildern was sind es denn für konkrete Untersuchungen?

00:07:34: Also sind das Erstuntersuchungen, ist das vielleicht auch eine Notfallversorgung?

00:07:38: Ist das ne Beratung auch in die Krankenversicherung wieder reinzukommen?

00:07:44: Können Sie das einmal skizzieren?

00:07:46: Was erleben Sie so?

00:07:49: Ja also von der Medizin sind es die verschiedensten Dinge.

00:07:53: Es kommen sicher gelegentlich aber erst selten richtige Notfälle vor, ja?

00:07:58: Also ich denke da an so eine junge Frau, die zunehmend Atemnot hatte und schwach war.

00:08:06: Da hat sich dann rausgestellt dass sie eine erhebliche Blutarmot hat ein Herzbeutelakust, einen Akust in der Lunge, große Lymphknotenpakete Und ganz dringend einer Chemotherapie und erst mal eine intensivmedizinischen Behandlung bedurfte.

00:08:24: Das konnte alles gelöst werden, wir haben sehr viel diskutiert auch über die Bezahlung der Behandlungen hat alles stattgefunden und die Patientin gilt inzwischen auch als geheilt.

00:08:39: Dann kommen Patienten, die zum Beispiel seit Jahren an Homebloodruck leiden, die ihre Medikamente abholen, die eine Laborkontrolle brauchen, auch eine klinische Untersuchung.

00:08:53: Dann gibt es andere Patienten, Wir können auch das Ultraschallgerät dort der Praxis benutzen.

00:09:01: Können die untersuchen, können Blut abnehmen, können EKG machen und können das abklären und bei Bedarf diese Patienten halt zum Beispiel zu radiologischen Untersuchungen CT oder MRT mit einer kooperierenden Praxis weiter vermitteln.

00:09:19: Und nochmal auf die Krankenversicherung da drauf geblickt, ist das auch mit ein Teil?

00:09:25: Dass quasi sie schon den Blick darauf haben wo es vielleicht eine Krankenversicherung wieder möglich?

00:09:33: Ja, das ist sicher die Frage dass wir schauen war jemand kranken versichert?

00:09:40: Weshalb ist er nicht krankenversichert, gibt es vielleicht eine Chance.

00:09:44: Und da gibt es die Klaringstelle am Gesundheitsamt hier in Frankfurt.

00:09:48: Dahin vermitteln wir dann die Patienten und Tagen auch nach.

00:09:53: Also gibt es auch sehr gute Erfolge ja, dass die Patienten wieder zurückkommen in die gesetzliche Krankenversicherung.

00:10:01: Manchmal muss trotzdem eine Behandlung schnell erfolgen.

00:10:05: Wir können auch nicht warten bis sie versichert sind.

00:10:09: Vielen Dank und lassen Sie uns doch gerne nochmal in eine Sprechstunde einsteigen.

00:10:13: Sie haben ja gerade schon die eine Situation geschildert, fällt Ihnen noch eine andere Situation ein?

00:10:20: Wo sie sagen, die ist mir echt lange schon im Kopf geblieben und die bewegt mich da auch nach wie vor.

00:10:28: Ja wir hatten eine junge Patientin aus Albanien, die hierher kam.

00:10:33: ihre Mutter lebt ihr weil sie studieren wollte hatte auch eine Krankenversicherung abgeschlossen, die allerdings nicht ... eine chronische Erkrankung ... beinhaltet hat.

00:10:47: Und diese Patientin hatte so eine genetische Bluterkrankung also brauchte alle zwei Wochen Bluttransfusionen.

00:10:56: Die hat sie ein-zwei Mal akut in der Uniklinik bekommen.

00:10:59: aber das ist keine Lösung für sie gewesen.

00:11:03: und da haben wir es tatsächlich geschafft, das zu organisieren.

00:11:09: Dass sie vorübergehend zweiwöchige Bluttransfusionen bekommen konnte bis sie krankenversichert war und die Krankenversicherung trat eben dann erst ein als sie eingeschrieben war zum Studium und den Sprachtest beendet

00:11:29: hat.

00:11:29: Und vielleicht können Sie noch mal schildern wie ist ... die Stimmung bei Ihnen in der Sprechstunde.

00:11:35: Also wenn Sie da sitzen... Kleiner Audio-Kommentar, Frau von Brühl hat gerade gesagt lustig und ich hatte so im Kopf irgendwie also ist es eher angespannt dankbar hoffnungsvoll lustig hätte ich glaube jetzt erstmal so nicht drin gehabt.

00:11:53: aber super ja wie würden sie's noch beschreiben?

00:11:59: Ja ich würde schon sagen dass die Stimmung ist schon auch locker und freundlich, aber auch konzentriert.

00:12:08: Also die Erhebung der Vorgeschichte ist nicht immer einfach.

00:12:12: es gibt ja diese Sprachprobleme wir benutzen dazu Das Handy, also das funktioniert auch ganz gut.

00:12:21: Oft kommen die Leute aber auch mit Dolmetschern und Teil zum Beispiel rumänisch russisch-spanisch können wir selbst abdecken mit den Mitarbeiterinnen.

00:12:30: Ja, es ist eben eine konzentrierte Arbeitsstimmung.

00:12:36: Und wenn Sie auf den Punkt bringen

00:12:38: müssten

00:12:38: wo sie sagen ja genau deswegen braucht's das Angebot könnten Sie das auf Einsatz festnageln?

00:12:47: Ja, die Dankbarkeit der Patienten.

00:12:51: Die Erleichterung, die Freude wenn jemand ... und das ist ja häufig so lange Symptome in Anführungszeichen anbrennen

00:13:05: lässt,

00:13:06: wenn man dem dann helfen kann.

00:13:10: Das ist schon gut bestätigend.

00:13:19: Und vielleicht dann fällt mir gerade noch ein, ist es für Sie als Ärztin außerhalb einem System zu arbeiten?

00:13:29: Durchaus auch eine Bereicherung zu sagen okay ich kann wirklich meinen Beruf hier ausüben in Anführungszeichen gibt ja trotzdem Grenzen aber ohne Systemgrenzen Ist das auch was, was Ihnen Freude bringt und Begeisterung?

00:13:45: Ich würde sagen vielleicht sind wir manchmal sogar näher dran

00:13:49: an

00:13:49: den Patienten.

00:13:51: Ja weil wird doch sehr viel auch nicht immer, es hängt immer davon ab, dass die Patienten auch erzählen wollen.

00:13:58: unter Wahrung der Anonymität.

00:14:00: aber wir erfahren doch viele Überlebensbedingungen, die nicht alltäglich sind.

00:14:05: ja müssen wir vielleicht auch häufiger unser Ohr, unsere Hände und unser Bauchgefühl erst mal arbeiten lassen.

00:14:22: Wir haben nicht sofort ein Riesenlabor oder alle mögliche Diagnostik zur Verfügung.

00:14:31: Frau von Brühl, wenn ich nochmal auf das Angebot zurückkomme.

00:14:35: Also den Blick ein bisschen hinter dieses Angebot.

00:14:39: Welche Berufsgruppen und welche Rollen gibt es denn alles dabei?

00:14:42: Wir haben jetzt schon Ärzte und Ärztinnen gehört die da sind kann nicht mehr.

00:14:46: sonst auch ist wie in der normalen Praxis in Anführungszeichen vorstellen

00:14:51: Sie meinen jetzt die noch in unserem Team sind genau ja dass sie kommen.

00:14:55: eigentlich Das ist ganz unterschiedlich sind jüngere ältere aber braucht keine Vorkenntnisse, außer dass man ein bisschen mit dem Computer umgehen kann.

00:15:07: Daran arbeiten wir alle noch weil wir eben auch so ein bisschen umstellen wollen jetzt digitalisieren wollen und so weiter.

00:15:14: aber im Grunde kann es jeder als Assistent oder Assistentin mithelfen der oder diejenige das möchte.

00:15:24: Und wir haben eben im Vorgespräch ja schon uns ein bisschen drüber unterhalten, dass wir uns gar nicht sicher sind wie lange sie schon bei dem Projekt dabei sind.

00:15:32: Ich glaube das ist auch gar nicht jetzt an der Stelle so wichtig sondern wichtig ist.

00:15:36: des Projekts gibt es seit zwanzig Jahren und in der Zeit wo Sie's begleiten können Sie uns da mal einen Einblick geben oder uns hier auch allen die Zuhören den Einblick gehen.

00:15:46: was hat sich denn da verändert?

00:15:48: Was ist Ihnen da im Kopf geblieben?

00:15:50: also verändert hat sich?

00:15:52: Wir haben mehr Patienten seitdem.

00:15:54: Wir haben alles so ein bisschen unstrukturiert, insofern als dass wir mittlerweile im Team Montags arbeiten.

00:16:01: da kommen zwei Ärzte, Ärztinnen und wir sind zwei Assistenten, Assistentin.

00:16:07: vorher ganz am Anfang vor zwanzig Jahren eben waren wir immer nur eine eins zu eins Besetzung Und das hat sich geändert.

00:16:17: Das hat aber auch viele Vorteile, weil gerade für die Ärzte würde ich mal sagen ist es schön wenn sie sich dann auch austauschen und miteinander besprechen, wenn's mal ein Fall ist der eben etwas schwieriger ist bezüglich Behandlungsmethoden oder auch anliegende Operationen inwiefern wir das finanzieren können.

00:16:44: Das ist halt auch manchmal sehr, sehr hart wenn wir ja eine Diagnose zu einer onkologischen Diagnos da zum Beispiel besteht und wir einfach sagen können sagen müssen.

00:16:56: Wir können es leider nicht finanzieren.

00:16:59: Und das ist glaube ich für unser ganzes Team dann immer sehr schwierig und sehr hart.

00:17:05: Weil's am Ende doch eine Ablehnung

00:17:07: ist?

00:17:08: Ja!

00:17:09: Und wenn wir nochmal auf die gesellschaftliche Dimensionen schauen wir hatten es eben schon mal kurz angerissen auf das System geguckt und wie unsere Gesellschaft damit umgeht wenn ich mir jetzt überlege.

00:17:23: Als das Thema zum ersten Mal bei mir auf dem Tisch war ich mich hier auf den Podcast vorbereitet habe ich mir doch irgendwie eine Versorgungspflicht und also dass jeder wird doch versorgt und ein Stückchen mehr in das thema reingeguckt gab es eben genau das, also nicht nur Menschen die aus irgendwelchen sozialen Gründen aus der Krankenversicherung rausgekommen sind sondern eben auch die diese eben erwähnt haben.

00:17:46: Die keinen legalen Aufenthaltsstatus haben damit aufgefangen werden.

00:17:53: aber was sagt es über unser Gesundheitssystem und über unsere Gesellschaft aus dass es Menschen ohne Krankenversicherungen gibt?

00:18:00: Und da würde ich tatsächlich mal ein Stück weit außen vorlassen, weil ich glaube das nochmal ein anderes Thema ist.

00:18:09: Aber was sagt es über die anderen Betroffenen aus?

00:18:12: Hätten Sie da eine Idee?

00:18:14: Ja, das scheint mir politisch auf jeden Fall in der Hinsicht nicht ausgereift zu sein, weil das ist absolut eine Lücke im Gesundheitssystem, weil diese Menschen, die wir betreuen eben ausgeschlossen der Illegalen haben keinen Zugang zum Gesundheitssystem und Da füllen wir diese Lücke auf als ehrenamtliche Projekte.

00:18:41: Und das ist ja auch, sind wir nicht die einzigen?

00:18:44: Es gibt ja MMMs in zwanzig Städten mittlerweile.

00:18:48: also dass es ein bundesweites Feld was wirklich eigentlich bearbeitet werden müsste und bis heute aber eben nicht geschehen.

00:18:58: Und würden Sie denken, dass teilweise auch Unwissenheit, Scham, hohe Bürokratie da durchaus auch Hürden sind für Menschen wieder zurückzukommen in eine Krankenversicherung?

00:19:12: Auch wenn es vielleicht möglich wäre.

00:19:14: Ja also ich denke oder das stellen wir immer wieder fest ist vor allen Dingen was man nicht glauben mag aber es betrifft viele Deutsche Und die gesetzlichen Krankenversicherungen nehmen ja Menschen ab fünfundfünfzig Jahren nicht in die gesätzliche Krankenversicherung zurück.

00:19:34: Und viele Menschen, die privat versichert sind, Deutsche, die eben dann aus gewissen Umständen einfach ihre private Krankenversichtung nicht mehr zahlen können, die stehen mit leeren Händen da und die suchen uns dann auf weil sie wie Sie eben schon gesagt haben eben gewissen Schamgefühl eben nicht zum Sozialamt gehen möchten und vielleicht auch immer wieder denken, sie schaffen es wieder neu.

00:20:01: Und mit diesen ja diese Menschen kommen auch immer zu uns und da können wir ihnen wirklich helfen medizinisch und vielleicht dann auch über die Clearing-Stelle.

00:20:16: Und so habe ich sie beide auch bis jetzt verstanden.

00:20:18: Eben nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich an der Stelle also da eben ja ein Stück weit naja schon die Scham vielleicht zu nehmen zu sagen ich Ja, also Sie haben es gerade so schön beschrieben Es dauert einen Moment und manche Diagnosen wäre gut gewesen Man hätte die vorher gestellt weil dann wäre vielleicht was anderes möglich gewesen.

00:20:40: Aber genau das ist ja das was Sie auch gerade beschreiben dass also da das menschliche durchaus auch das Entscheidende ist.

00:20:48: Das versuchen wir auf jeden Fall, wobei wir uns oft schon gesagt haben, wir wollen nicht zu sehr in die Sozialarbeit gehen sondern wir wollen definitiv beim Medizinischen bleiben weil wir uns da die Kompetenz bezüglich der Sozialarbeiten Fragestellungen und Lösungsmöglichkeiten einfach nicht vorhanden sind.

00:21:08: Ich würde einmal gerne kurz darauf rumreiten und Sie noch die letzte Frage in dieser Richtung stellen.

00:21:17: Haben sie eine Idee, welche Rolle die Malteser dabei spielen könnten mit der Politik diese Lücke zu schließen?

00:21:23: Also auch wenn Sie es jetzt einfach wünschen dürften was wäre da Ihr Wunsch, was die Malthesa vielleicht mit der Politik gemeinsam tun

00:21:30: könnten?

00:21:31: Ja ich denke dieses Thema aufzugreifen Politikern hier zu gehen und immer wieder mit ihnen dieses Problem zu besprechen.

00:21:44: Und vielleicht eben auch Lösungsmöglichkeiten zu finden, um das dann auch weiterzutragen in den Landtag.

00:21:50: Wobei wir schon mal beim Landtag waren, auch schon dort mal vorgesprochen haben aber wie das dann immer so ist, ist es ein bisschen im Sande verlaufen scheinbar.

00:22:00: Dann würde ich einmal den Blick wieder erschwenken und wir schwenken das Mikro gleich mit.

00:22:06: Wenn jetzt gerade jemand zuhört, der sagt hey ich kenne jemanden ohne Krankenversicherung was könnte diese Person konkret

00:22:14: tun?

00:22:15: Die Person kann einfach in unsere

00:22:17: Sprechdunde

00:22:17: kommen wird angeschaut, wird untersucht.

00:22:24: Wir sprechen mit der Person und versuchen Also medizinisch natürlich zu helfen und dann auch herauszufinden, ob eine Möglichkeit zur Gangversicherung besteht über die Klierungsstelle.

00:22:37: Und auf der anderen Seite tresen will ich gar nicht sagen weil der ja nicht unbedingt das einzige ist vielleicht auch die Behandlungsliege.

00:22:46: Wenn es jetzt jemanden gibt, der sagt ja wusste ich gar nicht dass es so ein thema gibt und das Ich mich da auch ehrenamtlich engagieren kann.

00:22:52: was können die menschen machen wenn sie sagen okay Da würde ich gerne mit einsteigen kann.

00:22:56: Ich mir gut vorstellen und wir haben gerade gehört Ja ein bisschen im computer sollte man sich auskennen aber Es muss auch nicht übermäßig sein.

00:23:04: Das heißt wen suchen Sie konkret?

00:23:06: Und wo kann der diejenige

00:23:10: sich melden?

00:23:14: in der Zentrale hier.

00:23:17: Wir suchen immer wieder Praxisassistenten, Assistentinnen und auch Ärzte, Ärztinnen ja.

00:23:27: Gut sind wie gesagt diese Computerkompetenzen.

00:23:31: gut sind auch Fremdsprachenkenntnisse und für Ärzter, Ärzten ist es gut allgemein medizinische internistische Ausbildung.

00:23:43: Dann würde ich Ihre Kontaktdaten auf jeden Fall in die Folgenbeschreibung mit reinpacken, dass wenn jemand sagt ja da würde ich mich gerne engagieren dann sich da auch direkt bei Ihnen melden kann.

00:23:53: Sie haben es auch das eine oder andere Mal jetzt im Gespräch schon beschrieben Das Projekt lebt ja am Ende auch von einer gewissen Unterstützung.

00:24:03: Wir haben die Unterstützung jetzt schon gehört.

00:24:05: Ehrenamtliche bringen Zeit mit rein.

00:24:08: Was brauchst noch neben der Zeit?

00:24:11: Wen brauchen sie?

00:24:15: Wir

00:24:15: brauchen Geld.

00:24:17: Nein, Harry!

00:24:19: Wir sind natürlich, wir leben wirklich nur von Spenden und Spendern.

00:24:22: Und Sponsoren beziehungsweise haben wir auch schon eine ganz tolle Erfahrung gemacht mit Patenschaften.

00:24:30: also wenn wir einen Patienten oder eine Patientin haben die eine gewisse Behandlung bedarf dann und sie zieht sich über ein gewissen Zeitraum hatten wir eben auch schon patenschaftende Spender die sich wirklich nur dann fokussiert haben auf diesen Patienten oder diese Patientin, bis die Heilung da war beziehungsweise die Behandlung abgeschlossen war.

00:24:55: Und das war auch eine sehr schöne Erfahrung, die wir da schon hatten und weil diese Patientinnen dann auch ihre Spender kennenlernen konnte und das war ein wirklich ein sehr berührender Moment

00:25:10: Und ich glaube, Sie haben noch was hinzuzufügen.

00:25:13: Ja dringend nötig ist natürlich auch das Netzwerk, das über die Jahre aufgebaut wurde oder Jahrzehnte jetzt an Ärzten ein Labor, das für uns die Arbeit kostenlos, die Analysen kostenlos macht.

00:25:27: eine große Röntgenpraxis Fachärzte-Ärztinnen ja die zu niedrigen GOE setzen, die Patienten behandeln.

00:25:38: Das ist einfach ganz toll.

00:25:40: Also das will es

00:25:41: ja... GOE ist die Gepürenordnung der Ärzte, richtig?

00:25:45: Genau!

00:25:46: Die kann gesteigert werden und das kann man eben auch zum Einfahrensatz machen.

00:25:53: Ja vielen Dank für den Einblick.

00:25:55: ich habe's ganz am Anfang.

00:25:56: wir haben zwischendurch auch ein oder das eine oder andere mal erwähnt Sie feiern zwanzig Jahre Jubiläum dieses Jahr.

00:26:02: haben sie irgendwas Besonderes geplant zu dem Jubiläum.

00:26:05: Und wenn ja was?

00:26:06: Ja, wir haben eigentlich vor, dass im Oktober ein Abend stattfinden soll mit dem wir unser zwanzigjähriges Jubilän feiern und auch gleichzeitig mit dem zehnjährigen Jubilärm des Integrationsdienstes.

00:26:20: weil das hat sich so ergeben, weil es passt auch sehr gut zusammen.

00:26:25: und die Gestaltung dieses Abends Die ist noch im Gange, also da sind wir noch nicht sehr weit fortgeschritten.

00:26:33: Aber wir haben die Räumlichkeiten schon und den Zeitpunkt und der Rest werden wir

00:26:38: planen.

00:26:38: Ja ein Thema das viele bewegt und gleichzeitig so unsichtbar ist bei uns in der Gesellschaft.

00:26:44: Ich hoffe, wir konnten der Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung der Malteser heute ein bisschen mehr Sichtbarkeit geben.

00:26:50: Danke an Sie beide für die Einblicke und Ihr Engagement!

00:26:54: Gerne

00:26:55: danke Ihnen!

00:26:57: Und in der nächsten Folge, da klicken wir auf ein weiteres spannendes Thema mit spannenden Gästen hier aus der Region HHS.

00:27:04: Welches dies ist und wer meine nächste Gästin oder mein nächster Gast ist?

00:27:08: Das erfahrt ihr dann Ende August wie gewohnt überall dort wo es Podcasts gibt – natürlich auch unter maltesa-podcast-hrs.de.

00:27:19: Macht's gut und habt eine tolle Zeit!

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